Virtuelles Museum
 

Die Geschichte des Stahls

Stahl ist keineswegs ein eigenes Metall, sondern eine Legierung (ein Gemisch) aus verschiedenen Stoffen. Je nach Zusammensetzung können verschiedene Stahlarten differenziert werden. Derer gibt es heute über 2500! Auch wenn die großen Tage der Expansion der Stahlindustrie längst gezählt sind, ist insbesondere Edelstahl auch heute noch ein bedeutender Werkstoff, der sich durch seine guten Möglichkeiten der Verarbeitung und seine robusten Eigenschaften hervortut und empfiehlt. Daher wird Stahl auch heute noch, von der Rohrschelle bis zum Bus, auf vielfältige Weise genutzt und verarbeitet.

Allen Stahlsorten ist gemein, dass sie zum Großteil aus Roheisen bestehen. Roheisen wiederum wird aus dem Eisenerz gewonnen und ist an und für sich kein allzu guter Werkstoff. Durch einen hohen Kohleanteil (über drei Prozent) ist es recht spröde und zerbrechlich. Die Qualitäten von Stahl beruhen vor allem darauf, dass der Anteil an Kohlenstoff dort deutlich niedriger ist (stets unter zwei Prozent). Insofern ist Stahl elastischer und stabiler als Roheisen, lässt sich in der Verarbeitung besser verformen und erhärten.

Stahl
Auch wenn teilweise einige Hundert bis über 1000 Jahre vor Christus bereits Eisen durch Erhitzung gehärtet wurde (z. B. durch die Kelten), dauerte es noch eine ganze Weile, bis wirklich hochwertiger Stahl hergestellt wurde. Entscheidende Veränderungen traten erst ab dem 14. Jahrhundert ein, als erste Eisengießereien entstanden. In den Hochöfen dieser Gießereien war es möglich das Eisen soweit zu erhitzen, dass es flüssig wurde und auch flüssig blieb. Damit war ein entscheidender Grundstein gelegt. Doch bis zur heutigen Stahlherstellung mussten sich noch etliche Verbesserungen und Arbeitsverfahren durchsetzen. Und das sollte erst mit der Industrialisierung beginnen.

Um 1850 wurden zwei wichtige Verfahren entwickelt, die die Stahlindustrie weiter voran treiben sollten. Das eine war das Bessemer-Thomas Verfahren von Henry Bessemer. Dieses brachte den maschinellen Einsatz von Pressluft in die Stahlindustrie ein, wodurch die Arbeiter nicht mehr die Stahlschmelze unter körperlichen Anstrengungen durchrühren mussten. Stattdessen wurden die Eisenbestandteile durch Pressluft von den Abfällen getrennt. Das andere maßgebende Verfahren war das Siemens-Martin verfahren, das die Schmelzung von Schrott zu Stahl ermöglichte. Heute werden bis zu 40 Prozent des hergestellten Stahls aus Schrott gewonnen.

Diese zwei neuen Verfahren revolutionierten die Stahlindustrie und führten zu einer Vervielfachung der Herstellungsmengen in den folgenden Jahrzehnten. Stahl wurde zunehmend zur Massenware. Ganze Industriezweige (Automobile etc. ) waren völlig vom Stahl abhängig. Die Industrialisierung war bereits in vollem Gange. Die Firma Krupp war einer der ersten Stahlhersteller in Deutschland. Allein zu Zeiten Alfred Krupps (Sohn des Gründers) wurde die Firma von einem kleinen Familienbetrieb zu einem Unternehmen mit mehr al 20.000 Arbeitern und Angestellten. Es war außerdem die Firma Krupp, die (zufällig) den rostfreien Edelstahl entdeckte. Vielleicht die wichtigste Stahlart überhaupt!

Die Beiden Weltkriege waren ein wahrer Absatzmotor für die Stahlindustrie. In Deutschland war es in beiden Weltkriegen ebenfalls die Firma Krupp, die am meisten profitierte. Der Einbruch kam mit Ende des zweiten Weltkriegs. Doch auch davon erholte sich der Stahlriese schnell. Während des Wiederaufbaus entwickelte sich die Stahlindustrie zu alter Größe zurück. Neue Verfahren verbesserten die Herstellungskapazitäten noch weiter. Erst die Weltwirtschaftskrise bremste das Wachstum der Stahlindustrie erheblich. Und so sind die Stahlhersteller nicht mehr die Giganten von einst. Aber immer noch ist die Bedeutung des Stahls zu wichtig, als das den Herstellern der Untergang droht. Denn egal ob es um das gemeine
Edelstahl Rohr, das Designer-Waschbecken oder die Luxusjacht geht: Stahl ist bislang unersetzlich.